Montag, 30. März 2020

"Klingeltod und Kaiserschmarrn" (Kate Delore)

Der Klappentext: „Den Tod hält niemand auf: Nach einem traumatischen Erlebnis zieht Emma Graustett in die Alpen, um sich zu erholen. Doch kurze Zeit später verschwindet ihre Nachbarin spurlos. Hat der unbekannte Anrufer seine Finger im Spiel, der Emma schon tagelang tyrannisiert? Ihre Ängste werden neu entfacht, aber Emma will sich nicht unterkriegen lassen. Die Lage im bayerischen Idyll spitzt sich zu, als weitere Frauen vermisst werden. Während Emma sich mutig in die Ermittlungen stürzt, ist der „Klingeltod“ längst im Anmarsch.“

Emma Graustett flüchtet in die Alpen, denn seit Tagen schon wird sie von einem Unbekannten angerufen, der ihr Angst macht. In dem kleinen Häuschen, das sie von ihrer Großmutter geerbt hat, zieht sie sich zurück und entwickelt sogar so etwas wie Routine. So sieht sie zum Beispiel jeden Abend die Silhouette ihrer Nachbarin vor dem Fenster entlanggehen, wie diese ihre Schafe von der Wiese holt. Doch eines Abends sieht sie sie nicht, obwohl ihre Nachbarin nie ihre Schafe über Nacht auf der Wiese zurücklässt. Verunsichert ruft Emma die örtliche Polizei an, bei der auch ihr Bruder arbeitet und meldet ihre Nachbarin als vermisst. Doch sie soll nicht die einzige Vermisste bleiben. Das finden auch ihr Bruder und sein Kollege heraus und machen sich auf die Suche nach Antworten. Bis Emma schließlich selbst verschwindet.

Dass dieser Alpenkrimi ziemlich unterhaltsam werden würde, habe ich bereits im Vorfeld zu hören bekommen. Als mir dieses Buch dann aber zugegangen ist, und ich es eigentlich „nur erstmal anlesen“ wollte, hat es mich gleich in seinen Bann gezogen. Ich bin ja bisher noch nicht in den Genuss eines Alpenkrimis gekommen, Aber ich muss sagen, dass mich Kate Delore durch ihren sehr humorvollen Erzählstil und den flüssigen Schreibstil überzeugen konnte. Was mir sehr gut gefallen hat, war das „Bayerische Wörterbuch“ am Ende der Story, welches ich mir allerdings erst nach Beendigung des Buches durchgelesen habe, da ich es während des Lesens nicht benötigt habe. Komisch eigentlich, denn wenn ich jemandem zuhöre, der in einem bayerischen Dialekt spricht, verstehe ich denjenigen überhaupt nicht…😄
Aber hier war es absolut kein Problem.

Die Protagonisten dieses Krimis fand ich sehr unterhaltsam und humorvoll. Ich habe oft geschmunzelt, gerade über die bayerische Mundart der älteren Herrschaften. Und ich fand die Geschichte und die Beweggründe hinter dem Verschwinden der Frauen sehr spannend und bin immer wieder fasziniert davon, auf welche Ideen Autoren kommen, um aktuelle Themen zu integrieren und nicht nur den „schnöden Einheitsbrei“ niederzuschreiben, den man schon in 300 anderen Krimis gelesen hat.
Dieser Krimi war im Vergleich zu den von mir bisher gelesenen Krimis mal was ganz anderes und das fand ich sehr erfrischend.
Letztlich freue ich mich, dass ich diesen humorvollen Alpenkrimi lesen durfte.

Von mir bekommt dieses Buch starke 🌟🌟🌟🌟, weil ich mich sehr gut unterhalten gefühlt habe und es für meinen ersten gelesenen Alpenkrimi mit bayerischem Dialekt gut vorgelegt hat.

Verlag: Tredition (2020)
Seitenzahl: 220
Genre: Alpenkrimi
ISBN: 978-3-34700-837-3

Freitag, 27. März 2020

"Molly Murphy ermittelt - Mord an der Upper East Side" (Rhys Bowen)

Der Klappentext: „Molly Murphy hat es als weibliche Privatdetektivin in einer von Männern dominierten Welt nicht leicht. Trotzdem versucht sie alles, um die geerbte Kanzlei in New York so gut wie möglich zu führen. Sie willigt sogar ein, verdeckt für das NYPD zu ermitteln, um zwei Betrügerinnen zu entlarven. Schon wenige Tage später findet Molly sich, getarnt als irische Cousine, in der teuren Villa von Senator Barney Flynn in der Uptown wieder. Flynns kranke Frau hofft, dass die betrügerischen Schwestern ihren toten Sohn kontaktieren können. Allzu bald führen Molly ihre Fragen in Gefahr – und sie braucht keinen Hellseher, um zu wissen, dass dieser Fall tödlich für sie enden könnte...“

Die selbstbewusste irische Privatdetektivin Molly Murphy kann es nicht glauben: Nie hat auch nur ein Mann ihre Arbeit als Detektivin ernst genommen oder sie unterstützt, doch ausgerechnet jetzt tritt der Captain der New Yorker Polizei, Daniel Sullivan, –in den Molly so verliebt ist- an sie heran und bittet sie um eine verdeckte Ermittlung.
Und so wird Molly einige Tage später unter falscher Identität in der Villa des Senators Barney Flynn einquartiert, wo sie den Betrug zweier Spiritistinnen aufdecken soll. Doch über der Familie Flynn liegt auch noch eine dunkle Vergangenheit, und diese versucht Molly ebenfalls heimlich zu klären.
Doch all dem nicht genug; auf dem Anwesen der Flynns wird Molly plötzlich wieder von ihrer Vergangenheit eingeholt; auferstanden von den Toten…

Auch der mittlerweile vierte Band der Cosy-Krimi-Reihe um die taffe irische Detektivin Molly Murphy verliert einfach nicht an Reiz. Wieder einmal wird Molly in mehrere verschiedene Aufträge verwickelt, die es zu lösen gilt. Und wieder schwingt das Risiko mit, dass ihr jemand nach dem Leben trachten könnte.
Mit Molly Murphy hat Rhys Bowen einfach eine absolut geniale, sympathische Protagonistin geschaffen, die ihrer Zeit weit voraus ist und die es mit ihrem irischen Charme mit jedem aufnimmt. Eine furchtlose Frau mit Wiedererkennungswert.
Ich finde es einfach immer noch so faszinierend, was sich Rhys Bowen für Molly alles ausgedacht hat, welche Abenteuer sie für sie bereithält und dass sie es immer wieder schafft, Molly in die größten Schwierigkeiten zu bringen und sie dennoch wieder dort herauszuholen.

Ich werde auch nach dem vierten Band dieser Reihe nicht müde, Molly bei ihrer Ermittlungsarbeit zu begleiten. Und ich warte IMMER NOCH sehnsüchtig darauf, dass Daniel Sullivan seine Verlobte für Molly verlässt und sich endlich zu seiner Liebe zu Molly bekennt. In diesem vierten Band wäre die perfekte Gelegenheit gewesen, aber auch hier macht Daniel Sullivan nicht reinen Tisch.
Und dabei ist mir Arabella Norton sooo unsympathisch. Diese Frau hat einfach überhaupt keinen Anstand und ihr scheint alles egal zu sein, außer ihrer eigenen Wenigkeit. Es wird Zeit für einen Tapetenwechsel bei Daniel Sullivan 😄

Am Schreib- und Erzählstil habe ich wieder absolut nichts zu beanstanden. Es macht mir einfach unheimlich Spaß Rhys Bowens Bücher zu lesen, denn sie sind so einfallsreich, was die Geschichten angeht. Und ich finde es auch total toll, dass Rhys Bowen mit jedem Band auch die Selbstbestimmung der Frauen zu Zeiten des frühen 20. Jahrhunderts in den Fokus rückt. Denn das ist nicht selbstverständlich. Der geschichtliche Kontext schwingt immer mit und das macht diese Reihe so unglaublich vielseitig.

Dieser vierte Band der Molly-Murphy-Reihe bekommt von mir 🌟🌟🌟🌟, denn hier war noch etwas Luft nach oben, aber er war wieder verdammt gut und ich warte jetzt schon gespannt auf den nächsten Band.

Verlag: Digital Publishers (2020)
Seitenzahl: 415 (Print)
Genre: Cosy-Krimi 
ISBN: hier handelt es sich um ein Ebook

Montag, 23. März 2020

"Winter der Welt" (Ken Follett)

Der Klappentext: „Es ist eine Zeit des Umbruchs, eine Zeit der Finsternis. Aber auch der Hoffnung, die selbst das tiefste Dunkel erfüllt.
Während sich die Lage in Europa gefährlich zuspitzt, versuchen drei junge Menschen heldenhaft ihr Schicksal zu meistern: Der Engländer Lloyd Williams wird Zeuge der Machtergreifung Hitlers und entschließt sich gegen den Faschismus zu kämpfen. Die deutsche Adelige Carla von Ulrich ist entsetzt über das Unrecht, das im Namen des Volkes geschieht, und geht in den Widerstand, während die lebenshungrige Amerikanerin Daisy nur vom sozialen Aufstieg träumt – und eine bitterböse Überraschung erlebt!“

„Winter der Welt“ erzählt die Geschichte der nächsten Generation der Familien aus „Sturz der Titanen“. Wie ist es den Familien nach dem Ende des Ersten Weltkrieges ergangen? Und was steht ihnen aufgrund der prekären politischen Lage noch bevor?
Nach vier Jahren voller Angst, scheint der erhoffte Friede endlich Einzug zu halten. Doch der Schein trügt. Denn in Deutschland ist bereits ein Mann auf dem Vormarsch, der dem deutschen Volk eine rosige Zukunft verspricht –Adolf Hitler. In Amerika kämpft Präsident Roosevelt gegen die Folgen der Weltwirtschaftskrise an. Und in Russland müssen die Revolutionäre entsetzt feststellen, dass der Terror der Bolschewisten stärker ist, als die hart erkämpfte Revolution.
Und mittendrin die Kinder der drei Familien, die wir bereits in „Sturz der Titanen“ kennengelernt haben, die alle versuchen, auf ihre ganz eigene Art und Weise ihr Leben in die Hand zu nehmen und sich durch diese schwere Zeit kämpfen müssen, die sie sowohl vor, als auch während und auch nach dem Zweiten Weltkrieg erwartet.

Nachdem ich „Sturz der Titanen“ gelesen habe, wo es um die Zeit um den Ersten Weltkrieg herum ging, habe ich mich eigentlich total auf den zweiten Band der Jahrhundert-Trilogie gefreut. Denn mich interessiert die Geschichte um den Zweiten Weltkrieg sehr, aber nachdem ich den ersten Band sehr gut geschrieben und vor allem BEschrieben fand, war ich umso enttäuschter, weil mich dieses Buch diesmal sehr ernüchtert und mich Unmengen Energie (in Form von Durchhaltevermögen) gekostet hat.
Ich hatte diesmal wirklich Schwierigkeiten mit den 1040 Seiten, denn sie haben sich gezogen wie Kaugummi. Und die Einblicke in das Kriegsgeschehen fand ich (bis auf den Angriff auf Pearl Harbor) nicht sehr intensiv. Es ging mehr um das Drumherum. Und das fand ich etwas schade und deshalb habe ich nicht wirklich viel Freude mit „Winter der Welt“ gehabt…
Dabei hat das Buch eigentlich ziemlich gut angefangen. Ich fand die Vorgeschichte sehr interessant, welche Wege die Kinder der Familien von Ulrich, Peshkov und Leckwith-Williams einschlagen, was ihnen wichtig ist und was ihre Ängste sind. Auch die politischen Einstellungen der Eltern und ihrer Kinder fand ich sehr spannend, gerade bei den von Ulrichs, bei denen die Eltern Sozialisten sind und der Sohn ein Anhänger Hitlers. Doch mit Beginn der Kriegsgeschehnisse verebbte die anfängliche Lese-Vorfreude auf die Jahre 1939 bis 1945.

Ich will nicht sagen, dass ich das Buch schlecht fand oder der gleichen. Aber es wollte irgendwie kein Ende nehmen und die Geschehnisse haben nicht gerade vor Spannung gestrotzt, sodass es sich einfach hätte runterlesen lassen. Ich sage es mal so: Ich habe schon bessere und vor allem kürzere Romane über die Zeit des Zweiten Weltkriegs gelesen.  Dennoch möchte ich diesen Band nicht schlecht reden, denn ich sehe diesen Band im Rahmen der Rezension für sich allein stehend und werde, wenn ich die Trilogie abgeschlossen habe, ein abschließendes Fazit ziehen. Ich bin auf jeden Fall gespannt, was im dritten Band auf mich wartet, denn die Zeit des Kalten Krieges ist auch noch einmal ganz besonders in der deutschen Geschichte, und ich lasse mich überraschen, wie Ken Follett diese Jahre umgesetzt hat.

Für diesen Band der Trilogie gibt es diesmal leider nur 🌟🌟🌟, denn für mehr hat mich das Buch von den Inhalten her einfach nicht genug angesprochen und viel zu lange aufgehalten.

Verlag: Bastei Lübbe (2012)
Seitenzahl: 1040
Genre: Roman 
ISBN: 978-3-40416-999-3

Freitag, 20. März 2020

"Blutgott" (Veit Etzold)

Der Klappentext: „Ein Mädchen sitzt allein in einem schäbigen alten Abteil eines IC, der gerade Nordrhein-Westfalen durchfährt. Plötzlich öffnet sich quietschend die Tür: Eine Gruppe Jungen betritt das Abteil. Zielstrebig nähern sie sich den Fenstern und ziehen die Vorhänge zu. Was dann geschieht, jagt den hartgesottenen Ermittlern vom LKA Berlin um Patho-Psychologin Clara Vidalis Schauer über den Rücken …
Und es bleibt nicht bei diesem einen außergewöhnlich brutalen Mord, verübt noch dazu von einer Gruppe Minderjähriger – bald schlagen die kindlichen Killer-Kommandos in ganz Deutschland zu.
Clara Vidalis glaubt nicht an Zufälle. Und sie kann (und will) auch nicht glauben, dass die Teenager auf eigene Faust gehandelt haben. Was sie nicht ahnt: In seiner Welt ist ihr wahrer Gegner ein Gott. Und die Messen, die er von seinen Anhängern fordert, sind blutige »slash mobs«.“

Wenn Minderjährige sich ungehindert durch das Dark Web bewegen und von einem „Blutgott“ zu seinen tödlichen Jüngern „ernannt“ werden, dann stimmt etwas nicht. Als eine 19-jährige Studentin in einem Inter City am helllichten Tag von einer Gruppe Minderjähriger bestialisch ermordet und drapiert wird, fängt für die Kommissarin Clara Vidalis und ihr Team eine verzweifelte Suche nach dem Drahtzieher an. Denn die Täter selbst sind noch nicht strafmündig und es ist ihnen nicht zuzutrauen, dass sie von allein auf solch eine skrupellose Tat kommen. Es muss also jemanden geben, der die minderjährigen Täter zu ihren Taten antreibt, denn dieser Mord, der ein klares Symbol trägt, soll nicht der letzte gewesen sein. Im Rahmen der Ermittlungen stoßen Clara Vidalis und ihr Team auf viele verstörende Abartigkeiten, die im Dark Web kursieren.

„Blutgott“ war erst der zweite Thriller von Veit Etzold, den ich bisher gelesen habe. Im letzten Jahr habe ich „Dark Web“ gelesen und war total begeistert vom Schreib- und Erzählstil des Autors und auch von der realitätsnahen Thematik über die Abgründe des digitalen Lebens. Aber mit „Blutgott“ hat Veit Etzold meine Erwartungen an diesen Thriller bei weitem übertroffen.
Allein der Prolog hat es in sich gehabt und war für mich schon sehr erschreckend. Wenn sich Minderjährige wünschen, lieber eine Rasierklinge, statt einer Zunge haben zu wollen, um die Menschen schmecken zu können, während sie sie zerschneiden, kann man schon mal ans Nachdenken kommen, wie ein dreizehnjähriges KIND auf solch eine Idee kommt und was dieses KIND eigentlich in seiner Freizeit macht.
Wie einfach es vor allem für den so genannten „Blutgott“ war, Minderjährige so zu manipulieren, dass sie für ihn morden, lässt den Schluss zu, dass hinter vielen verschlossenen Kinderzimmertüren nicht immer alles mit rechten Dingen zugeht. Das Desinteresse der Eltern, die Abschottung der jungen Heranwachsenden vom „nervigen“ sozialen Umfeld und der Missmut allem und jedem gegenüber sind sicher nur ein paar Gründe, warum sich die Kinder in diesem Thriller mit Tötungen, Psychopathie und Pornografie beschäftigen.

Was mir persönlich etwas zugesetzt hat, waren die detaillierten Beschreibungen der Leichen. Vor allem der toten 19-jährigen Studentin im Inter City. Ich meine, ich habe ja schon viele Thriller und auch Psychothriller gelesen, aber solch eine bestialische Art und Weise eine Leiche zu drapieren… das ist teilweise echt nichts für schwache Nerven. Ich bin sonst nicht von schwachem Gemüt (absolut nicht), aber da ich eine sehr ausgeprägte Fantasie habe und deshalb umso mehr in der Lage bin, mir die Bilder vor meinem geistigen Auge vorzustellen, musste ich wirklich schlucken, als ich das gelesen habe, was diese (ich betone es noch einmal) MINDERJÄHRIGEN mit diesem jungen Mädchen angestellt haben.
Und dennoch hat mich diese Zurschaustellung der Leichen und die Vorgehensweise jedes einzelnen Täters und auch des „Blutgotts“ in seinen Bann gezogen und mich auch ein Stück weit beeindruckt. Denn auf so etwas muss man auch erst einmal kommen.
Und trotz dieser Faszination darüber, wie einfallsreich die Tötungen waren, war ich absolut erschrocken über so viel Unverfrorenheit und Gewissenlosigkeit und dass sich Minderjährige mit Hilfe von Erpressung zu solchen Taten überhaupt hinreißen lassen und eigentlich mit einer geordneten Zukunft für ihr Leben komplett abgeschlossen zu haben scheinen.

Die Ermittlungsarbeit fand ich extrem spannend und ich habe mit großem Interesse verfolgt, wie die Ermittler dem „Blutgott“ immer mehr auf die Schliche gekommen sind und welche Abgründe sich auf dem Weg dahin aufgetan haben. Allein wie viele Befürworter es für die schon sehr abgedrehten Reden des „Blutgotts“ gab und dass es sogar enttäuschte Stimmen von Jugendlichen gab, weil sie schon über 13 Jahre alt waren und nicht mehr ohne weiteres morden können, da sie strafmündig sind…
Da zeigt sich wieder, was die Geschichte uns gelehrt hat. Nämlich dass der, der gut reden kann, eine ganze Schar Menschen um sich versammeln kann, die dies befürworten und dieses Gerede als die einzig richtige Wahrheit erachten.

Diesen Thriller kann ich nur jedem ans Herz legen. Man sollte ihn definitiv gelesen haben, denn wie es schon ZDF Info über „Dark Web“ geschrieben hat, ist die Thematik „näher an der Realität, als einem lieb ist“. Und das ist sie wirklich. Auch in „Blutgott“.
Von mir gibt es definitiv 🌟🌟🌟🌟🌟, denn Veit Etzold hat meine Erwartungen bei weitem übertroffen und überzeugt mich mit seinen Büchern immer wieder aufs Neue von seinem Können und den Abgründen unserer Gesellschaft.

Verlag: Droemer Knaur Verlag (2020)
Seitenzahl: 464
Genre: Thriller 
ISBN: 978-3-42652-408-4

Montag, 16. März 2020

"Offline" (Arno Strobel)

Der Klappentext: „Fünf Tage ohne Internet. Raus aus dem digitalen Stress, einfach nicht erreichbar sein. Digital Detox. So das Vorhaben einer Gruppe junger Leute, die dazu in ein ehemaliges Bergsteigerhotel auf den Watzmann in 2000 Metern Höhe reist.
Aber am zweiten Tag verschwindet einer von ihnen und wird kurz darauf schwer misshandelt gefunden. Jetzt beginnt für alle ein Horrortrip ohne Ausweg. Denn sie sind offline, und niemand wird kommen, um ihnen zu helfen...“

Eine Gruppe völlig unterschiedlicher Charaktere lässt sich auf einen 5-tägigen „Digital-Detox-Trip“ ein; eigentlich keine große Sache in Zeiten der ständigen Erreichbarkeit. Doch dieser Entgiftungstrip soll sich schon nach der ersten Nacht zum ultimativen „Horrortrip“ entwickeln. Eingeschneit in einem noch zu renovierenden Hotel auf dem Watzmann, ohne Mobilfunknetz und auch ohne jegliches technisches Gerät sitzt die Gruppe fest und ist nicht in der Lage, Hilfe zu holen, nachdem eines der Gruppenmitglieder auf brutalste Art und Weise zugerichtet wurde. Das Opfer kann weder hören, noch sehen, noch fühlen; es gibt für ihn keine Möglichkeit mehr, sich mitzuteilen. Er ist Gefangener im eigenen Körper. Nachdem er seinen Wunden erliegt, bricht Panik unter den restlichen Gruppenmitgliedern aus. Denn wem können sie noch trauen? Wer war es? Und wird der Täter wieder zuschlagen?

"Offline" war mittlerweile mein zweiter Arno Strobel Thriller in diesem Jahr und auf dieses Buch habe ich mich schon die ganze Zeit gefreut. Nachdem ich vor ein paar Wochen „Der Trakt“ gelesen und mich mit Arno Strobels Schreibstil vertraut gemacht habe, war ich richtig gespannt auf dieses Buch. Und ich kann den Hype um diesen Psychothriller definitiv verstehen.
Der Prolog allein schon war richtig stark und hat in mir beim Lesen regelrechtes Unwohlsein ausgelöst. Denn wem wäre es nicht unwohl zumute, wenn seine technischen Geräte plötzlich ein "Eigenleben" entwickeln? Noch dazu die Drohung äußern, dass man sterben wird… Schon gruselig ^^

Dann folgten jedoch die ersten 5 Kapitel, in denen ich in meiner Spannung arg zurückgeworfen wurde… Es passierte erst einmal gar nichts besonderes, außer dass der Leser die „Reisegruppe“ kennengelernt hat, die sich auf das „Digital-Detox-Projekt“ einlassen wollte. Das fand ich jetzt nicht so aufregend und ich habe mich etwas "gelangweilt" in den ersten Kapiteln. Man wartet ja irgendwie bei Arno Strobel darauf, dass was passiert. Auch als nach der ersten Nacht das Gruppenmitglied Thomas vermisst wurde… der Zeitraum bis die Gruppe ihn gefunden hat… Das hat sich alles so in die Länge gezogen, dass ich dachte „Mein Gott, jetzt könnten sie aber langsam mal…“ 

Aber DANN: Endlich ging es los. Und ab Thomas’ Auffinden hat sich das Blatt dann wieder komplett gewendet. Da war dann die Spannung vom Prolog wieder da und ich war super aufgeregt, wie die einzelnen Gruppenmitglieder sich verhalten würden, was als nächstes passiert und ob es ein nächstes Opfer geben wird und wer dies sein könnte ^^
Und was mir wirklich gefallen hat, war, dass es JEDER hätte sein können. Jeder hatte Geheimnisse und hat sich auf eine bestimmte Art verdächtig gemacht. Bestimmte Charaktere haben in ihren Reaktionen total übertrieben und waren so nervig (bezogen auf die Figur selbst!), sodass sich einige bei mir gleich unbeliebt gemacht haben.
Ich hatte wirklich ganz lange überhaupt keine richtige Vermutung, wer der Täter sein könnte. Ich habe jede Figur betrachtet und jede Figur hat mich auf seine Art stutzig gemacht. Auch wenn eine Figur ganz besonders dominiert hat, weil ich meine Schlüsse gezogen habe.
Und das reizt mich total, wenn ich bei einem Thriller und/oder Krimi bis zum Schluss miträtseln kann, wer der Täter ist. Das fand ich sehr gut umgesetzt und hat mir richtig Spaß gemacht. Auch weil ich dieses Buch gemeinsam mit einer anderen Bücherverrückten in einem Buddyread gelesen habe und wir nach selbsteingeteilten Leseabschnitten Leseeindrücke ausgetauscht, mitgerätselt und spekuliert haben. Das hat dem Lesevergnügen noch einmal eine ganz besondere Note gegeben.

Von mir bekommt dieser fantastische Psychothriller 🌟🌟🌟🌟🌟, und die sind wohlverdient. Gerne mehr davon!

Verlag: Fischer Verlag (2019)
Seitenzahl: 368
Genre: Psychothriller 
ISBN: 978-3-59670-394-4

Freitag, 13. März 2020

"Wenn Katzen weinen könnten" (Irmina Serot)

Der Klappentext: „Die Katze tut dem Menschen gut. Zu dieser Erkenntnis gelangt der kleine Kater Rossu bereits wenige Tage nach seinem Einzug bei Rentnerehepaar Céline und Yves Lacroix.
Wie sieht es umgekehrt aus? Tut der Mensch auch der Katze gut? Diese und ähnliche Fragen stellt sich Rossu fortan häufig: Warum muss er eingesperrt im goldenen Käfig leben, wenn seine Artgenossen draußen auf Bäume klettern und Mäuse fangen dürfen? Warum soll er staubtrockene Kroketten fressen, wenn die Leberwurst auf Herrchens Teller viel besser schmeckt? Als ihm im Alter von elf Monaten das gleiche schreckliche Schicksal wie seiner Freundin Priska widerfährt, zerbricht er fast daran.“

Als Mensch macht man sich recht selten Gedanken darüber, was eigentlich gut für unsere Haustiere ist. Oder habt Ihr als Katzenbesitzer schon mal darüber nachgedacht, ob es Eurem Vierbeiner gefällt, wenn in der Wohnung alle Türen geschlossen sind? Ob ihnen das Futter, das ihnen vorgesetzt wird, schmeckt? Oder wie es ihnen geht, den ganzen Tag in der Wohnung eingesperrt zu sein, während ihre Artgenossen draußen umherstreifen?
Und um sich mal in die Gedankenwelt einer Katze –des Menschen liebster Schmusetiger- hineinzuversetzen und mal etwas öfter zu hinterfragen, was dem Tier eigentlich gut tut und was definitiv von uns Menschen viel zu sehr vermenschlicht wird, gewährt uns Irmina Serot Einblicke in das Leben von Rossu, ihrem Stubentiger, der für diese humorvollen, herzlichen, aber auch zum Nachdenken anregenden Memoiren Modell stand.

Das Leben von Rossu im Zeitraffer zu begleiten war wirklich herrlich. Und ein ums andere Mal saß ich beim Lesen wirklich da und habe zustimmend genickt. Denn die Memoiren sind aus der Sicht von Rossu geschrieben, wie er als Kater sein Umfeld wahrnimmt. Wie er aufwächst, plötzlich aus seiner vertrauten Umgebung gerissen und in einer Wohnung eingesperrt wird und sich immer wieder fragt, ob seine „Zweibeiner“ eigentlich meinen, dass das gut ist, was sie da tun. Und da auch ich mal Katzenbesitzerin war, weiß ich nur zu gut, von was hier die Rede ist und dass ich nicht immer korrekt im Sinne meiner Katzen gehandelt habe.
Wenn man sich mal überlegt, dass Tiere Veränderungen, gerade in der Umgebung und in strukturellen Abläufen überhaupt nicht gut vertragen, kann man sich schon selbst auf den Hinterkopf hauen… Sicher gibt es keine Belege dafür, ob und was unsere vierbeinigen Freunde denken, aber man kann Veränderungen in ihrem Verhalten beobachten, die ganz klar zeigen, ob dem Tier das gerade gefällt, was man mit ihnen macht oder nicht.

Katzen haben ja an sich schon ein sehr eigenes Wesen. Man sagt nicht umsonst, dass Katzen Personal haben. Sie sind nicht (ich nenne es mal salopp, ohne abwerten zu wollen) so „treudoof“ wie Hunde, sondern Katzen haben eine Art und Weise, sich Menschen zu nähern und mit ihnen zusammen zu leben, die oft schwierig ist. Aus der Sicht von Rossu wird das sehr schön deutlich, dass er Ansagen gern ignoriert, wenn er etwas nicht will und dass er seine Zweibeiner auch mal tagelang links liegen lässt, wenn sie nicht „nach seiner Pfeife tanzen“. Da sind Katzen sehr konsequent.
Ich fand es einfach mal sehr eindrücklich, aus der Sicht einer Katze auf das menschliche Verhalten zu schauen und unser Verhalten unseren Haustieren gegenüber mal kritisch zu betrachten. Und dabei ist es egal, ob es sich jetzt um eine Katze, einen Hund, den Goldfisch oder die Wellensittiche handelt. Haustiere brauchen Auslauf, Beschäftigung, klare Strukturen und Tagesabläufe. Und wenn man das nicht gewährleisten kann, sollte man sich kein Tier zulegen.

Ich fand dieses Buch unheimlich niedlich geschrieben und habe auch, trotz dass ich die Thematik ernstzunehmend finde, Momente des Lächelns gefunden, wenn sich Rossu verliebt hat, wenn er Zeit mit seiner Mutter und seinen Geschwistern verbracht hat oder er ganz unschuldig von seinen nächtlichen „Aktivitäten“ erzählt hat, bei denen er die halbe Wohnung auseinander genommen hat. Denn wer kennt es nicht, wenn die Katze nachts um halb zwei plötzlich einen „Flitz“ kriegt? ^^
Der Erzählstil aus Rossus Perspektive hat mir sehr sehr gut gefallen und hat dieses Buch zu etwas sehr persönlichem gemacht. Und auch die Botschaft dieser Memoiren kam gut rüber und lässt MICH persönlich künftig noch viel intensiver darauf achten, was gut für ein Tier ist und was ich lieber lassen sollte, weil es vielleicht mir selber besser gefällt, aber dem Tier eben nicht.

Ich kann dieses sehr berührende und schöne Buch nur empfehlen (und das nicht nur den Katzenbesitzern unter Euch!). Von mir gibt es hier ganz liebe 🌟🌟🌟🌟 und ein großes Dankeschön an Irmina Serot für Ihr Vertrauen! 

** In Gedenken an Rossu - den "kleinen Schnurrer" **

Verlag: Selfpublisher (2019)
Seitenzahl: 344 
Genre: Biografie/Memoiren 
ISBN: 978-1-70342-305-1

Montag, 9. März 2020

"Schiller Connection" (Shahram Rahimian)

Der Klappentext: „Der Übersetzer Joseph Ayene wird in die Aufklärung eines Mordfalles hinzugezogen, die mit dem Fund einer identitätslosen Leiche an der Alster beginnt. Im Laufe der Ermittlungen im wolkenverhangenen Hamburg begegnet er Menschen, die wie er selbst zwischen Liebe und Lebenskrise stehen und von der Vergangenheit nicht losgelassen werden.“

Eigentlich übersetzt Joseph Ayene nur Texte ins Persische und zwar in die schriftliche Form, doch als der Hamburger Kommissar Müller Ayene in die Gerichtsmedizin beordert, wo er die Tätowierung einer unbekannten Leiche in persischer Sprache übersetzen soll, lässt er sich auf diesen Auftrag ein. Seine Hilfe wird natürlich noch häufiger benötigt und das ist auch eigentlich gut so, denn die Zeit, in der er mit der Polizei zusammenarbeitet, sitzt er wenigstens nicht nur zuhause herum und kann Abstand zu seiner Freundin Anne gewinnen, mit der er schon viele Krisen durchgestanden hat und die er eigentlich nicht mehr an sich heranlassen will. Doch die Ereignisse überschlagen sich. Anne ruft ihn permanent an, lässt ihn einfach nicht atmen. Während der Ermittlungen bewegt sich Ayene auf einem schmalen Grad, zwischen Vergessen wollen und nicht loskommen.

Der Start in den Krimi hat mir eigentlich gleich gefallen. Ich fand den Beginn dieser Story ganz interessant und war gespannt, was auf Ayene zukommen wird und wie er in die Ermittlungen involviert wird. Der Leser begleitet Ayene durch seinen Tag, von „morgens“ (wir sprechen hier von „morgens“ für Ayene, da er nachts arbeitet, erst in den frühen Morgenstunden zu Bett geht und bis in den Nachmittag hinein schläft), wenn er vom Telefonklingeln aus seinen Träumen gerissen, von einem Polizeianwärter zur Wache chauffiert wird, dort seinen Aufgaben nachkommt und abends nach Hause kommt, wo er dann seinen AB abhört und ein Gedicht von Schiller ins persische übersetzt. Beim zweiten Kapitel habe ich dann gestutzt, denn es war genau derselbe Ablauf wie im ersten Kapitel. Und auch die nachfolgenden Kapitel hatten alle denselben Ablauf. Und das hat mich irgendwie gelangweilt, denn es war absolut nicht abwechslungsreich. Es war, als liefe dieses Buch in einer Dauerschleife. Stets hat Ayene dasselbe gemacht. Nur seine abendlichen Aktivitäten haben sich etwas unterschieden. Aber ansonsten waren die Kapitel völlig gleich aufgebaut und das hatte auch nichts mehr mit Alltagsroutine für Ayene zutun.

Was mich auch irritiert hat, ist die Tatsache, dass dies eigentlich ein „Krimi“ sein soll… Jedoch hat das mehr was von einem Roman gehabt, denn von den Ermittlungen selbst bekommt der Leser recht wenig mit. Wir bewegen uns eher durch die Gedanken- und Gefühlswelt von Ayene. Die Ermittlungsarbeit läuft hauptsächlich im Hintergrund und wir erfahren erst im nächsten Kapitel, wenn Ayene wieder auf dem Revier eintrifft, was es für Fortschritte bei den Ermittlungen gibt. Die Kommunikation mit den persischen Beamten, mit denen Ayene Kontakt aufnehmen soll, ist auch eher zweitrangig. Und wie der Fall letztlich aufgelöst wurde, fand ich irgendwie fad… Das hat für mich wirklich nichts mit einem Krimi zutun gehabt. Es hat mir vom Erzählstil her einfach nicht gefallen.

Auch über die Figuren konnte ich mich immerzu ärgern. Anne zum Beispiel grenzt schon fast an eine paranoide Stalkerin. Jeden Tag hat sie mehrere Mal auf Ayenes AB gesprochen und wenn er sie zurückrief, hat sie nur rumgestichelt, warum er sie nicht anruft. So als wäre Ayene den ganzen Tag zuhause und hat gefälligst ans Telefon zu gehen, wenn sie anruft. Sie war total penetrant und nervig und ich fand sie so unsympathisch… Und umso mehr hat es mich geärgert, dass Ayene von ihr einfach nicht loskam, sondern sie stattdessen doch immer wieder angerufen hat, obwohl er sie nicht mehr lieben wollte.
Und auch den Polizeikommissar Müller fand ich einfach nur ätzend. Der hat sich nicht mal die Mühe gemacht, anderssprachige Namen auszusprechen, sondern Ayene war für ihn immer nur „Herr Übersetzer“. Er war unfreundlich und hat mit Ayene gesprochen, als sei dieser sein Angestellter. Und auch Petersen –Müllers Stellvertreter- war so blöd irgendwie. Ich mochte die Charaktere alle durch die Bank weg nicht leiden. Die waren mir zuwider.
Das war irgendwie nix halbes und nix ganzes. Ich habe nur an ein paar Stellen wirklich mit Interesse die Handlung verfolgt, und dazu gehört weniger die Ermittlungsarbeit. Das Gedicht von Schiller („Die Bürgschaft“) hat mir gefallen. Und als Ayene seine und Annes Geschichte erzählt hat. Aber ansonsten war dieses Buch für mich wenig gewinnbringend.

Von mir gibt es daher leider nur 🌟🌟🌟, was echt schade ist.

Verlag: Sujet Verlag (2011)
Seitenzahl: 312
Genre: Kriminalroman 
ISBN: 978-3-93399-568-1

Freitag, 6. März 2020

"Ein ganz neues Leben" (Jojo Moyes)

Der Klappentext: „Sechs Monate hatten Louisa Clark und Will Traynor zusammen. Ein ganzes halbes Jahr. Und diese sechs Monate haben beide verändert. Lou ist nicht mehr das Mädchen aus der Kleinstadt, das Angst vor seinen eigenen Träumen hat. Aber sie führt auch nicht das unerschrockene Leben, das Will sich für sie gewünscht hat. Denn wie lebt man weiter, wenn man den Menschen verloren hat, den man am meisten liebt? Eine Welt ohne Will, das ist für Lou immer noch schwer zu ertragen. Ein einsames Apartment, ein trister Job am Flughafen – Lou existiert, aber ein Leben ist das nicht. Bis es eines Tages an der Tür klingelt – und sich eine Verbindung zu Will auftut, von der niemand geahnt hat. Endlich schöpft Lou wieder Kraft, Kraft zu kämpfen, für sich, für das, was Will ihr hinterlassen hat, für ein ganz neues Leben.“
                                                              
Achtzehn Monate sind nun schon vergangen, seit Louisa ohne Will weiterlebt. Nach einer Zeit, die sie durch Europa gereist ist, um Wills Wunsch nachzukommen, ihren Horizont zu erweitern und aus ihrem Heimatstädtchen Stotfold herauszukommen, lebt sie nun in einer kleinen Wohnung in London, die sie jedoch nicht als „Wohlfühloase“ betrachtet. Sie geht einer Arbeit in einem Pub am Londoner Flughafen nach, die ihr absolut keinen Spaß macht; es ist also alles beim Alten. Lou tingelt vor sich hin, ohne wirklich weiter zu kommen. Bis eines Abends ein 16-jähriges Mädchen auf ihrer Dachterrasse erscheint und ihr Leben komplett auf den Kopf stellt.

Nachdem ich den ersten Band „Ein ganzes halbes Jahr“ so berührend fand und in den Himmel gelobt habe und auch die Verfilmung absolut großartig fand, muss ich sagen, dass mich der zweite Band nun etwas ernüchtert hat. Die Liebe zwischen Lou und Will war so grandios und so unglaublich echt und emotional, auch aufgrund der Tatsache, dass sich Will für den Freitod entschieden hat, weil ihn ein Leben als Tetraplegiker im Rollstuhl nicht erfüllt hat.
Ich war gespannt, wie Jojo Moyes diesen tollen Roman fortsetzen würde –denn geplant hatte sie es nicht!-, aber die Handlung hat mich diesmal nicht wirklich ergriffen. Es war irgendwie so nüchtern, ich fand es weniger ansprechend, als den ersten Teil, in dem es wirklich darum ging, einen Menschen zu pflegen und vom Leben zu überzeugen, damit er eben nicht nach sechs Monaten zum Sterben in die Schweiz fährt. Aber der zweite Teil war mir einfach nicht… nah genug. Ich hatte nicht so die Berührungspunkte mit Lou und Lily, wie ich sie beispielsweise im ersten Teil mit Lou und Will hatte.

Aber ich will diesen Band nicht kritisieren oder nur mit dem ersten Band vergleichen, sondern für sich betrachten. Die Geschichte um die Tochter, von der niemand etwas weiß, und die sich von niemandem (zumindest ihrer Familie mütterlicherseits und ihrem sozialen Umfeld) gewollt fühlt, war interessant. Es war nett zu lesen, wie Lily in Lous Leben hineinplatzt, ihr den letzten Nerv raubt, immer wieder verschwindet und niemanden an sich heranlässt, und auch wie sie den anderen Teil ihrer Familie kennenlernt. Aber mir persönlich war Lily zu anstrengend. Lou hatte genug mit ihrer Trauer zutun, ist sogar zu einer Trauergruppe gegangen, ihre Eltern hatten Probleme, dann lernte sie noch einen neuen Mann kennen… Das alles hätte als Zündstoff schon gereicht. Und dann kam Lily noch. Das war mir teilweise etwas zu viel Handlung, da Lily selber enorm viele Probleme mitgebracht hat und mich mit ihren Teenie-Launen fast wahnsinnig gemacht hat.

Dennoch verstehe ich die Idee dahinter, nämlich Lou weiterzuentwickeln. Selbst wenn es so scheint, als ob Lou wieder stagniert in ihrer Handhabe und große Chancen sausen lässt, soll hier deutlich werden, dass Lou an der Verantwortung gegenüber Lily wächst. Dass sie sogar über sich hinauswächst. Denn sie ist ja nicht ihre Mutter, und doch fühlt sie sich ihr gegenüber verpflichtet, weil sie glaubt, dass sie es Will schuldig ist.
Sie tut alles für Lily und übernimmt zum ersten Mal seit Wills Tod ernsthaft Verantwortung gegenüber einem anderen Menschen. Auch wenn sie ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse dafür hinten anstellt. Aber letztlich ist das ein großer Charakterzug von Lou und er ist wichtig für sie selbst, denn sie nimmt viel daraus mit und schafft es letztlich sogar, ihre Trauer zu bewältigen. Ich war oft genug erstaunt darüber, wie viel Kraft Lou aufbringen kann, obwohl sie schon „auf dem Zahnfleisch geht“. Es war einfach beeindruckend, Lou dabei zuzusehen, wie sie an ihren Aufgaben wächst und ihr Leben endlich in die Hand nimmt.
Vom Schreibstil her fand ich den Roman genauso toll wie den ersten Teil. Spannungsaufbau… na ja, es ist ein Roman… Es war okay von den Handlungsabläufen her. Aber es ist ja auch kein Krimi oder Thriller. Von daher fand ich es völlig ausreichend. Nun erwartet mich ja auch noch der dritte Band dieser Reihe und ich bin gespannt, was sich Jojo Moyes noch für Lou überlegt hat.

Von mir bekommt dieser Roman trotz, dass er im Schatten seines Vorgängers steht, immer noch 🌟🌟🌟🌟, denn auch wenn mir das etwas zu viel Handlung gewesen ist und ich nicht so angetan von Lily war, fand ich den Roman schön.

Verlag: Rowohlt Verlag (2017)
Seitenzahl: 528
Genre: Roman 
ISBN: 978-349929-139-5

Montag, 2. März 2020

"Die Flucht" (Tina Lundgren)

Der Klappentext: „Nur noch ein letztes Treffen. Das hatte Tim Eichner, erfolgreicher Strafverteidiger, sich geschworen. Doch am nächsten Morgen wacht er erneut in Vanessas Bett auf. Sie liegt neben ihm: blutüberströmt, ein Messer im Bauch. In Tims Kopf herrscht absolute Leere, Filmriss. Ist er ein Mörder? Voller Panik flieht er – in den Wald. Im Gepäck nur ein paar Habseligkeiten.Dort, in der Wildnis, gerät er bald an seine Grenzen, körperlich wie seelisch. Die Vorräte sind rasch aufgebraucht, die Natur rückt bedrohlich nahe und die Frage nach seiner Schuld nagt an ihm.
Bald schon ist ihm die Polizei auf der Spur. Doch die junge Kriminalbeamtin Miriam Waltz, die Tim kennt und heimlich in ihn verliebt ist, zweifelt an seiner Schuld. Kann sie den Täter finden bevor Tim den Kampf gegen die Wildnis verliert?“


Der erfolgreiche Strafverteidiger Tim Eichner wacht neben seiner Affäre Vanessa auf, die tot neben ihm im Bett liegt. Ein Messer im Bauch. Dem Bauch, in dem sich sein Kind befinden soll – obwohl er eigentlich zeugungsunfähig ist. Doch was ist passiert? Tim kann sich an nichts erinnern. Hatten die beiden Streit wegen der Schwangerschaft? Denn Tim wollte die Affäre mit Vanessa beenden, da er keine engere Bindung mit ihr eingehen wollte. Hatte sie ihn zu erpressen versucht? Die letzten Stunden sind wie weggefegt aus seiner Erinnerung. Doch er hat Angst, als ihr Mörder enttarnt zu werden. Jahre in einer engen Gefängniszelle verbringen? Eine grauenhafte Vorstellung für Tim, der sofort in Panik verfällt, aufgrund traumatischer Kindheitserlebnisse. Außerdem wären seine Karriere und sein Ruf dahin. Was also tun? Tims einzige Chance, einer Gefängnisstrafe zu entkommen, ist aus seiner Sicht eine Flucht. Doch ob das wirklich der richtige Weg ist? Und dann ist da noch Miriam, eine Freundin Tims vom Basketball, die diesen Fall bei der Kriminalpolizei bearbeitet und von Anfang an nicht glauben kann und will, dass Tim Vanessa wirklich getötet haben soll. Doch es ist für beide ein Treten gegen Windmühlen…
 

Für mich war dieser Thriller wie ein zweischneidiges Schwert. Wir haben hier zwei Handlungsstränge, die sich durch das Buch ziehen. Der eine Handlungsstrang behandelt Tim auf seiner Flucht vor dem Gesetz und der zweite Handlungsstrang gibt Einblicke in die Ermittlungsarbeit und in das Privatleben Miriams, die neben ihrer heimlichen Liebe zu Tim auch noch eine Menge Probleme mit ihrer Schwester Denise hat.
Am Anfang fand ich den Handlungsstrang um Tim noch total interessant, wie er so neben der erstochenen Vanessa aufwacht und versucht, zu begreifen, was passiert ist. Doch als sich Tim dann auf die Flucht begeben hat und in die Tiefen der Wälder eingetaucht ist, hat es mich irgendwie verloren. Ich meine, klar, wir verfolgen seinen Überlebenskampf ohne Essen, Wasser und einen geeigneten Schlafplatz. Wildlife lässt grüßen; Wilde Tiere, Unwetter und Zeckenbisse eingeschlossen. Aber seine Gedankenwelt hat mich ab einem gewissen Punkt nur noch gelangweilt. Permanent dieselben Fragen. Kapitellang… Ständig dieser Gedanke: „Ob man Vanessa schon gefunden hat?“ Und seine Wanderungen durch die Wälder haben mich absolut nicht gepackt. Da hat mich das Buch leider wirklich verloren.

Was mich allerdings wieder etwas „besänftigt“ hat, waren die Blicke in seine Vergangenheit; insbesondere seine Kindheit. Um zu begreifen, warum er solch eine Angst davor hat, eingesperrt zu werden. Und auch seine Abneigung davor, warum er keine feste Beziehung eingehen will, versteht man recht schnell und eindrücklich.

Jedoch habe ich mich die ganze Zeit gefragt, wie er, als erfolgreicher Strafverteidiger, auf die Idee kommt, nach so einem Mord zu flüchten. Er muss doch wissen, dass man ihn suchen würde, dass er sich damit besonders verdächtig macht. Einer der Paragrafen im Schlaf runterbeten kann, flüchtet doch nicht vor dem Gesetz!!!?

Auf der anderen Seite fand ich den Handlungsstrang um Miriam total interessant, da hatte das Buch dann wieder meine volle Aufmerksamkeit. Auch wenn ich die Ermittlungen gar nicht so gut fand. Denn alle versteiften sich auf Tim Eichner als Täter, weil er ja auf der Flucht ist. Nur Miriam hat an seine Unschuld geglaubt und hat sich auf das merkwürdige Verhalten anderer potenzieller Verdächtiger konzentriert. Miriam, von der man ja eigentlich erwartet hätte, dass sie aufgrund ihrer Zuneigung zu Tim befangen sein sollte, hat aus meiner Sicht professioneller ermittelt, als ihre Kollegen und ihr Chef. Die waren aus meiner Sicht total festgefahren und voreingenommen und haben die Tatsachen, die sich vor ihrer Nase befanden, missachtet. Eine Zeit lang dachte ich, ob Miriams Chef einen persönlichen Groll gegen Tim hegt, dass er unbedingt IHN als Täter hinter Gittern sehen will.

Alles in allem war ich von diesem Thriller leider nicht ganz so begeistert. Wie bereits gesagt, es ist ein zweischneidiges Schwert. 50 % waren wirklich gut, die anderen 50 % waren nicht nach meinem Geschmack. Deshalb gibt es von mir leider nur 🌟🌟🌟 


Verlag: Digital Publishers (2020)
Seitenzahl: 417 (Print)
Genre: Thriller
ISBN: hier handelt es sich um ein Ebook

Freitag, 28. Februar 2020

"Psychokiller" (Ida Adam)

Der Klappentext: „>>Sie meinen, ich Ihren<< – das ist es, was Cybill Sarah vorschlägt. >>Ich verführe Ihren Mann – Sie meinen, dann wissen wir, ob sie standhaft bleiben<< Sarah traut ihren Ohren nicht… bis langsam die Vorstellung in ihr Fuß fasst. Kann sie ihrem Mann Lou trauen? Sie ist sich nicht absolut sicher. Und Cybills Mann Ken scheint alles darauf angelegt zu haben, um Sarah für sich einzunehmen. Sie schwankt und versucht, dem attraktiven Mann ihrer neuen Freundin zu widerstehen. Sie liebt doch ihren Mann Lou – wenn sie nur wüsste, ob er ihr treu ist. Eines Nachts überschlagen sich die Ereignisse – am nächsten Morgen ist einer der vier tot. Ermordet. Und alles deutet darauf hin, dass Sarah die Mörderin war. Hat Cybill ihr eine Falle gestellt? Hat Sarah die Kontrolle über sich verloren? Oder steckt noch etwas ganz anderes dahinter, das sich die junge Frau niemals hätte vorstellen können?“

Sarah und Lou sind seit 3 Jahren ein Paar, als sie aufgrund Lous neuer Arbeitsstelle bei ChemCom ins Village ziehen. Für Sarah ist die Umstellung nicht ganz so einfach, denn sie sitzt querschnittsgelähmt im Rollstuhl und hat zum tristen Hausfrauenalltag keinen Ausgleich in Form einer Arbeitsstelle. Aber schon nach wenigen Tagen lernen Sarah und Lou ihre Nachbarn Cybill und Kenneth Halberstam kennen, die Sarah allerdings mit Vorsicht genießt, nachdem sie und Lou die beiden eines Nachts durch ihr Fenster beobachtet haben. Auf den ersten Blick machen die beiden einen ganz netten Eindruck, doch schon bald soll Sarah merken, dass mit dem benachbarten Ehepaar etwas nicht stimmt. Schon gar nicht mit Cybill, die Sarah ein Angebot macht, bei welchem sich Sarah nicht erinnern kann, es angenommen zu haben. Eine verworrene Geschichte beginnt, bei der Sarah immer mehr daran zweifelt, ob sie Lou vertrauen kann und ob ihr nicht sogar jemand nach dem Leben trachtet.

Tja, wo fange ich an? Als ich den Klappentext gelesen habe, war sofort mein Interesse für diesen Thriller geweckt. Ich bin allerdings mit nicht allzu hohen Erwartungen an dieses Buch herangegangen, da ich von Ida Adam bisher noch nichts gelesen habe und ich daher nicht wusste, was mich erwarten würde. Das war vielleicht auch ganz gut so…
Vom Schreibstil her hat mich das Buch bald in den Wahnsinn getrieben. Es war so verworren und ich habe bei manchem Satzbau wirklich nur mit dem Kopf geschüttelt. Aber vielleicht ist das die Art der Autorin, ihre Bücher so zu schreiben!? Es kam mir häufig so vor, als sei das Buch so geschrieben, wie man es gerade denkt oder auch aussprechen würde. Vor allem die Verwendung des Wortes „jetzt“ hat mich oft total irritiert. Es stand so oft am Ende des Satzes, wo ich nur dachte „Da hätte ich niemals >>jetzt<< geschrieben“.
Auch die Handlungen und Sarahs Gedankengänge waren so… sprunghaft irgendwie. Ich kann das gar nicht richtig beschreiben. Es war total verwirrend und durch die vielen sehr kurzen Sätze (manchmal auch nur einsilbig) auch leicht nervtötend. Es hat zwar Sarahs Misstrauen und ihre wirren Gedanken, was nun passiert ist und wie das alles zusammenhängt, sehr gut unterstrichen, aber ich konnte Sarahs Gedanken oft nicht folgen, denn das war mir zu schnelllebig, um es mal so zu sagen. So ein bisschen hat mich dieser Thriller an „Atme!“ von Judith Merchant erinnert. Als würde Sarah vor der Wahrheit davonlaufen. Es ging in einer Tour nur *zack* Gedanke *zack* nächster Gedanke *zack* nächster Gedanke…

Und dennoch muss ich sagen, dass mir dieser Thriller, trotz des für mich „gruseligen“ Schreibstils und der Gedankensprünge, total gut gefallen hat. Die Story fand ich richtig gut und ich war angetan von der Handlung und war überrascht, wie sich am Ende alles aufgeklärt hat. Bis zum Schluss habe ich keine Ahnung gehabt, wer der Mörder gewesen sein könnte, bzw. ich habe mich durch Sarahs Gedanken völlig fehllenken lassen. Und das fand ich sehr stark umgesetzt.
Über die Charaktere kann man sich streiten. Ich könnte jetzt keine Figur dieses Thrillers benennen, die mir in irgendeiner Art auch nur ansatzweise sympathisch gewesen wäre. Für mich haben die alle den Knall nicht gehört ^^ 
Und dennoch haben sie diesen Thriller so rund gemacht und passten einfach durch die Bank weg extrem gut in die Handlung hinein.
Ich werde mir auf jeden Fall noch einen weiteren Thriller von Ida Adam auf die Wunschliste schreiben und dem Schreibstil noch eine Chance geben, denn die Story an sich war spitze.

Deshalb erhält dieser Thriller von mir sehr starke 🌟🌟🌟🌟. Vielleicht ist der Schreibstil wirklich so gewollt oder einfach so ein Ding von Ida Adam, womit sie sich von anderen Thrillerautoren/innen abgrenzt. Ich fand es super.

Verlag: Selfpublisher (2020)
Seitenzahl: 292
Genre: Thriller
ISBN: 978-1-65996-059-4

Montag, 24. Februar 2020

"Sturz der Titanen" (Ken Follett)

Der Klappentext: „England. Ethel Williams, Kind einer Bergmannsfamilie, ist Dienerin im Haus von Earl Fitzherbert. Als sie von ihm ein Kind erwartet, wird sie in Schande entlassen. Aber Ethel lässt sich nicht entmutigen und beginnt für die Rechte der Frauen zu kämpfen.
Deutschland. Walter von Ulrich sehnt sich nach einem demokratischen Deutschland. In London verliebt er sich Hals über Kopf in die emanzipierte Lady Maud. Doch der Ausbruch des Krieges reißt die Liebenden auseinander.
Russland. Grigori und Lew Peschkow wachsen als Waisen auf. Während Grigori zu einem Anführer der Revolution wird, gelangt Lew in Amerika zu Reichtum. In geheimer Mission kehrt er in die Heimat zurück – und trifft auf seinen Bruder.
Menschen und Schicksale im Schatten des Ersten Weltkriegs, der die Mächtigen stürzen und das Leben aller verändern wird.“

Wie kam es eigentlich zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs? Wie verliefen die Kriegsjahre? Und wie erging es den beteiligten Ländern in den ersten Jahren nach dem Krieg? Diese Fragen beantwortet dieser historische Roman auf mehr als 1000 Seiten. Und nicht nur der Krieg an sich steht im Mittelpunkt des Geschehens, sondern auch das Leben der Bürger vor, während und nach dem Krieg. Ken Follett thematisiert hier den schier endlosen Kampf der Frauen, sich endlich öffentlich an politischen Wahlen beteiligen zu dürfen. Auch steht die Ungerechtigkeit gegenüber walisischen Bergarbeitern in den Kohleminen englischer Aristokraten in der Kritik; hier mangelt es in hohem Maße an Arbeitssicherheit. Die Klassenunterschiede zu Beginn des 20. Jahrhunderts werden hier genauso kritisch beäugt wie die brutale Behandlung russischer Bürger, die von einem Leben in Freiheit im "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" träumen.

Ich muss leider gestehen, dass ich die „Jahrhundert-Trilogie“ von Ken Follett schon seit der Veröffentlichung auf meinem SuB liegen habe und mich aufgrund des Umfangs der Bücher sehr sehr lange darum „gedrückt“ habe, sie zu lesen. Ich bin ja jemand, der total an der Geschichte –gerade der Geschichte Deutschlands- interessiert ist und das war damals auch der Grund für mich, mir diese Reihe zuzulegen. Gerade über den Ersten Weltkrieg gibt es ja nicht wirklich viel Videomaterial, weshalb in Dokumentationen zumeist der Zweite Weltkrieg thematisiert wird. Aber dieses Buch von Ken Follett hat so einen eindrucksvollen Einblick in die Zeit um den Ersten Weltkrieg herum aufgezeigt, dass ich schier beeindruckt war. Ich habe für dieses Buch tatsächlich auch sehr lange gebraucht, um es zu lesen, was einerseits dem kaum enden wollenden Umfang (viele Seiten und noch dazu sehr kleine Schrift) geschuldet ist, aber auch dem Thema, das man natürlich erst einmal verinnerlichen muss. Auch wenn diesem Roman nach ein paar realen Figuren auch viele fiktive Figuren beiwohnen und das Geschehen nicht nur auf realen Ereignissen beruht, muss das Geschehen erst einmal verarbeitet werden. Denn ich fand es grandios, wie Follett die Kriegsgeschehnisse mit den alltäglichen Problemen in der Gesellschaft verbunden hat. Die Schicksale der Figuren, der Ausruf des Krieges, Verhandlungen, um die Rechte der Frauen zu stärken… Das sind alles Themen, die auch in der heutigen Zeit noch mitschwingen. Es gibt immer noch Länder, in denen Kriege geführt werden; Frauen dürfen immer noch nicht überall auf der Welt wählen, geschweigedenn verdienen sie das selbe Gehalt wie Männer; es gibt immer noch Länder, in denen es die Todesstrafe gibt, in denen nicht vor Gewalt Halt gemacht wird…

Mir hat die Darstellung dieser Zeit sehr gut gefallen, vor allem, da wir die Geschehnisse aus drei unterschiedlichen Perspektiven –nämlich den Perspektiven der am Weltkrieg hauptbeteiligten Länder Deutschland, England und Russland- verfolgen, und dafür, dass dies mein erster Ken Follett Roman war, muss ich sagen, dass er mir vom Schreibstil her sehr zugesagt hat und mich die Geschichte (unsere Geschichte) total gefesselt hat. Nun warten ja noch die beiden Folgebände auf mich, die nochmal jeweils genauso viele Seiten umfassen, wie „Sturz der Titanen“. Jedoch sind die Thematiken dieser Bücher genau mein Ding und ich bin so froh, dass ich diese Reihe in meinem Regal stehen habe.
Für mich hat Ken Follett hier ein Meisterwerk geschaffen, denn historische Romane auf realen Geschehnissen beruhend fesseln mich seit eh und je.

Von mir bekommt der erste Band dieser Trilogie 🌟🌟🌟🌟, denn es war interessant, informativ und zeigt eine Zeit und einen Teil unserer Geschichte auf, die, meiner Meinung nach, leider oft zu kurz kommt. 

Verlag: Bastei Lübbe (2010)
Seitenzahl: 1040
Genre: Roman
ISBN: 978-3-40416-660-2

Freitag, 21. Februar 2020

"Die perfekte Frau" (Blake Pierce)

Der Klappentext: „Die frisch verheiratete Kriminalpsychologin in Ausbildung Jessie Hunt, 29, entdeckt, dass in ihrer neuen Vorstadt dunkle Geheimnisse lauern. Als eine Leiche auftaucht, gerät sie ins Fadenkreuz ihrer neuen Freunde, der Geheimnisse ihres Mannes, eines Serienmörders, dessen Fall sie bearbeitet – und der Geheimnisse ihrer eigenen dunklen Vergangenheit.“

Die Story spielt um die 29-jährige Jessie Hunt, die gemeinsam mit ihrem Mann Kyle die Großstadt verlässt und nach Orange County zieht. Allerdings sehr widerwillig, denn Jessie fühlt sich überhaupt nicht wohl in der neuen Umgebung. Die beiden werden zwar von ihrer Nachbarschaft herzlich aufgenommen, Kyles bester Freund Teddy wohnt auch um die Ecke, sodass sie gleich jemanden kennen, als sie dorthin ziehen und der die beiden mit in den so genannten „Club Deseo“ hineinführt, dem jegliche Leute aus Orange County anzugehören scheinen und von dem sich Kyle neue Kunden für seine Firma verspricht; aber irgendetwas stört Jessie an der Idylle, denn das Verhalten der Frauen aus der Nachbarschaft macht sie zunehmend skeptisch. Und das Verhalten ihres Mannes ebenfalls.
Jessie steckt auch mitten in ihren Vorbereitungen für ihren Abschluss zur Kriminalpsychologin und ist allein ihrer Arbeit wegen schon sehr vorsichtig im Umgang mit ihren Mitmenschen. Aber langsam nimmt ihre Skepsis Form an, als jede Menge merkwürdiger Dinge um sie herum passieren. Unter anderem der Tod einer Hostesse, der scheinbar auf Jessies Kappe geht. Aber war sie es wirklich? Denn an die Tatnacht hat sie keine Erinnerungen mehr. Oder will ihr jemand den Mord unterschieben?

Schon von Beginn an habe ich ein komisches Gefühl beim Lesen gehabt, als Jessie die Frauen ihrer Nachbarschaft und die Mitglieder des Clubs kennen lernte. Was mich sofort stutzig gemacht hat, war die Tatsache, dass all diese Frauen so auf Kinder fixiert sind. Jede hat ein Kind, außer Jessie, die aber daran arbeitet, schwanger zu werden. Aber dass Kinder wirklich das einzige Gesprächsthema der Frauen sind und niemand weiß, oder wissen WILL, was hinter verschlossenen Türen bei den Männern im Club passiert, ist sofort merkwürdig und wirft Fragen auf. Und da konnte ich mich absolut in Jessie hineinversetzen, dass ihr das alles nicht koscher vorkam und sie da eher mit Zurückhaltung an die Sache rangegangen ist und sich überhaupt nicht wohl gefühlt hat in dieser Gesellschaft.

Dieser Psychothriller hat sofort Spannung aufgebaut und die hat sich bis zum Ende durchgezogen. Und das fand ich total genial. Mit 250 Seiten war das noch ein relativ kurzer Psychothriller, aber er war vom Aufbau, vom Schreibstil und von den Spannungsparametern her total gut gemacht. Ich kann es nicht anders sagen.
Die Charaktere waren sehr interessant, auch wenn ich Kyle von Anfang an nicht wirklich mochte, aber Jessies Hartnäckigkeit fand ich bewundernswert und dass sie sich eben nicht in diesen Sumpf hat hineinziehen lassen.
Ihre Spürnase als angehende Kriminalpsychologin hat sie nicht im Stich gelassen, auch wenn sie der Meinung war, dass sie die Zeichen anders hätte deuten müssen, um so viel Unheil zu vermeiden. Aber wie sich diese Geschichte hinterher aufgelöst hat, fand ich total interessant.

Von mir ein ganz klarer 🌟🌟🌟🌟🌟-Kandidat. Ich fand diesen Psychothriller richtig stark und es juckt mich in den Fingern, auch die Folgebände um Jessie Hunt zu lesen.

Verlag: Kindle (2018)
Seitenzahl: 250 (Print)
Genre: Psychothriller
ISBN: hier handelt es sich um ein Ebook

Montag, 17. Februar 2020

"Im Fokus der Liebe" (Juliane Schmelzer)

Der Klappentext: „Eric kann den Tod seines besten Freundes nur schwer verkraften und dies belastet die beginnende Beziehung zu Joselyn. Während die beiden versuchen, sich über ihre Gefühle klar zu werden, gerät Claire unter Mordverdacht. Wird das neu zusammengestellte Team ihr helfen könne? Und was ist eigentlich aus Miller, Samira und Harper geworden?“

Nachdem wir im ersten Teil dieser Liebeskrimi-Reihe Joselyn in ihr neues Leben nach San Diego begleitet und erste Einblicke in ihre Vergangenheit erhalten haben, geht es im zweiten Teil nahtlos weiter, nachdem am Ende des ersten Bands Joselyns und Erics bester Freund Nick im Einsatz ums Leben kam. Die beginnende Beziehung zwischen Joselyn und Eric hat durch Nick’s Tod ziemlichen Schaden genommen, da Eric mit der Gesamtsituation überhaupt nicht umgehen kann. Und dann soll Joselyn auf Anweisung ihrer beider Vorgesetzten Claire auch noch Erics neue Partnerin werden. Als Claire jedoch in einer Undercovermission unter Mordverdacht gerät, ist es an Joselyns und Erics Team, diesen Fall aufzuklären und alle Differenzen zu vergessen. Und dann ist da noch ein kleines Geheimnis um Joselyn, dass die beiden durch eine Achterbahn der Gefühle jagt.

Auch der zweite Teil dieser Reihe hat mir richtig gut gefallen und ich bin unglaublich angetan von diesem Genre, das Juliane Schmelzer für sich kreiert hat. Es ist sehr ausgeglichen, im Hinblick auf die Genre „Liebesroman“ und „Kriminalroman“. Und das macht das ganze sehr angenehm. Es ist weder zu viel Schmachterei, noch geht es nur stumpf um die Polizeiarbeit. Sondern es ist ausgewogen und hält die Spannung sowohl im Einsatz, als auch im Privatleben der Protagonisten aufrecht.
Was ich sehr gelungen fand, war der anfängliche Rückblick durch die Autorin auf das Ende des ersten Teils „Im Fokus der Vergangenheit“, denn so hat man nochmal die letzte Schlüsselszene wieder abgerufen, ohne den letzten Band nochmal "hervorkramen" zu müssen, und konnte nahtlos in das Geschehen des zweiten Bandes einsteigen. Denn die Bände gehen wirklich nahtlos ineinander über und so konnte man gut anknüpfen und wusste, worum es geht.

Nachdem wir im ersten Band aus zwei Perspektiven (nämlich Joselyns und Erics Perspektive) gelesen haben, haben wir diesmal zusätzlich sogar noch die Perspektive von Claire (Erics Exfrau und seine und Joselyns Vorgesetzte) und erhalten auch in ihr Leben –vor allem ihr Privat- und Liebesleben- einen Einblick. Sie wirkte in diesem Band nun nicht mehr so kühl und unnahbar. Und das fand ich richtig gut, denn im ersten Teil fand ich sie teilweise sogar etwas arrogant, doch dieses Blatt hat sich im „Fokus der Liebe“ gewendet.
Auch wird hier wieder sehr gut deutlich, wie stark die Verbindung zwischen den Charakteren ist, vor allem zwischen Eric und Claire. Denn auch wenn die beiden kein Paar mehr sind, ist Eric bedingungslos für Claire da und begibt sich in größte Gefahr für sie.
Mir hat auch sehr gut gefallen, dass man sehr schön verfolgen konnte, wie jeder einzelne der Kollegen mit Nick’s Tod umgegangen ist und wie schwer sich vor allem Eric mit seiner Trauerarbeit getan hat. Der Leser hat einen sehr intimen Einblick in seine Seele erhalten und das hat eine sehr emotionale Wirkung auf mich als Leserin gehabt.
Für mich war dieser Band eine gelungene Fortsetzung, denn ich bin ein richtiger Fan von Joselyn und Eric geworden und ich bin gespannt, wie es mit den beiden in (hoffentlich) künftigen Bänden weitergehen wird. Denn die Liebe der beiden ist weiß Gott nicht einfach, aber das macht es gerade so unglaublich spannend und lässt mich immerzu mitfiebern.

Von mir bekommt „Im Fokus der Liebe“ wieder ganz liebe 🌟🌟🌟🌟🌟, denn ich habe diesmal nichts zu meckern. Nun hoffe ich auf eine tolle Fortsetzung und bin gespannt, wie die Geschichte um Joselyn und Eric weitergesponnen wird ^^

Verlag: Verlagshaus Schlosser (2019)
Seiten: 452
Genre: Liebeskrimi
ISBN: 978-3-96200-235-0

Freitag, 14. Februar 2020

"Gezeichnet" (Reinhard Kleindl)

Der Klappentext: „Chefinspektor Franz Baumgartner, Leiter der Mordgruppe in Graz, rechnet noch in Schilling und glaubt unbeirrbar an das Gute - bis am Mathematikinstitut der Universität eine Reinigungskraft grausam ermordet wird. Neben ihr findet sich eine rätselhafte Botschaft.
Eine Verschwörung? Ein wahnsinniger Einzeltäter? Gemeinsam mit der Profilerin Vera Königshofer versucht Baumgartner, in die Psyche des Mörders einzudringen. Was dabei zum Vorschein kommt, droht den idealistischen Ermittler aus der Bahn zu werfen.“

Grausamer und mysteriöser kann ein Krimi kaum anfangen. Chefinspektor Baumgartner wird zu einem Tatort am Mathematikinstitut gerufen, wo sich ihm ein Bild offenbart, das an Grausamkeit kaum zu übertreffen ist. Eine Reinigungskraft wird in zwei Teile zersägt in einem Universitätsraum gefunden. Die Tat gleicht einem Massaker, denn überall klebt Blut. Doch was hat es damit auf sich? Warum tötet jemand eine Reinigungskraft? Zumal auf so bestialische Weise? Als die Ermittlungen anlaufen, zeigt sich auch, dass die Tote nicht einfach irgendwie zersägt wurde, sondern dass es sich bei dem Schnitt um den „Goldenen Schnitt“ handelt. Und um dieses Rätsel zu lösen, ist Inspektor Baumgartner am Mathematikinstitut genau an der richtigen Adresse.

Dieses Krimidebüt von Reinhard Kleindl hat mich sehr überrascht. Bei diesem Kriminalroman handelt es sich mal wieder um einen Ebook-Schnapper, bei dem mich der Klappentext sofort angesprochen hat. Und dieses Buch hat mir gezeigt, dass meine Missgunst gegenüber der Mathematik durchaus auch Grenzen hat, denn diesen Krimi rund um das Rätsel um den „Goldenen Schnitt“ fand ich total interessant und es hat mich nicht in einem einzigen Moment dazu veranlasst zu sagen „Boar nee, Mathematik? Geht gar nicht.“
Auch wenn ich Zahlen eher mit Skepsis gegenüberstehe, weil ich ab einem gewissen Alter dachte, dass sie mich ärgern wollen, als sie plötzlich das Alphabet mit auf den Plan gerufen haben, war ich positiv überrascht, dass es in der Mathematik auch durchaus interessante Themen gibt, denen man seine Aufmerksamkeit widmen kann –so zum Beispiel dem „Goldenen Schnitt“.
Und auch die gesellschaftskritischen Hintergründe des Mörders fand ich total interessant. Mich überzeugt ein Buch immer, wenn es gut recherchiert und mit kritischen Themen der Moderne versetzt ist, sodass man sich als Leser auch so seine ganz eigenen Gedanken zu den Themen machen kann. Und gerade die Kritik am menschlichen Individuum ist immer wieder spannend zu ergründen.

Die Ermittlungsarbeit fand ich sehr interessant und mir hat die Zusammenarbeit des Polizeiteams sehr gut gefallen. Bei manchen Krimis hat man ja immer jemanden im Team dabei, der sich durch sein Auftreten unbeliebt beim Leser macht. Aber das hatte ich hier bei keinem Charakter. Ich empfand das Arbeitsklima als durchweg angenehm, auch wenn Baumgartner mit seinen ganz eigenen privaten Problemen zu kämpfen hatte. Aber das gehört bei einem Krimi einfach dazu, dass man die Kommissare auch von ihrer ganz privaten, vielleicht sogar verletzlichen Seite kennen lernt, statt nur stur auf den Fall zu schauen.
Der gewählte Schreibstil hat mir sehr zugesagt und ich bin immer froh, wenn, gerade bei Thematiken, mit denen ich mich nun wirklich nicht ausreichend auskenne, nicht gefachsimpelt und mit Fachbegriffen um sich geworfen wird.
Ich fand auch die Aufteilung der Kapitel in die Wochentage sehr ansprechend. Ich hatte so immer einen guten Abschluss und man hat als Leser mal einen zeitlichen Rahmen, in dem man sich bewegt. Oft ist es ja so, dass bei den Ermittlungsarbeiten die Tage regelrecht ineinander verschwimmen und man als Leser überhaupt keine Vorstellung hat, in welcher Zeitspanne sich diese Ermittlungen erstrecken. Ich habe immer ganz gern einen festen Rahmen und schließe sehr gern ein Kapitel ab, indem ein weiterer Ermittlungstag endet.

Ich gebe diesem Krimidebüt ganz starke 🌟🌟🌟🌟. Vielleicht komme ich ja noch in den Genuss, auch den zweiten Fall für Inspektor Baumgartner zu lesen, um vergleichen zu können, wie sich die Bücher entwickelt haben. Aber für einen Auftakt fand ich das schon wirklich richtig gut.

Verlag: Haymon Verlag (2014)
Seiten: 288 (Print)
Genre: Krimi
ISBN: hier handelt es sich um ein Ebook